AFIR: Pflichten, Standards und Auswirkungen auf die Ladeinfrastruktur
1. Überblick
Die Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) ist nicht nur eine politische Empfehlung, sondern verbindliches EU-Recht, das jeden Charge Point Operator (CPO) und e-Mobility Service Provider (eMSP) direkt betrifft.
Sie schreibt konkrete technische und operative Anforderungen vor, um ein einheitliches, benutzerfreundliches und interoperables Ladenetz in Europa sicherzustellen.
Wesentliche Ziele sind:
- Transparenz bei der Preisgestaltung.
- Ad-hoc-Zahlungsmöglichkeiten (Bezahlung ohne Abonnement).
- Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Daten.
- Fähigkeit zu intelligentem und bidirektionalem Laden.
2. Wesentliche Pflichten für CPOs
Für öffentliche Ladepunkte unter 50 kW:
- Ad-hoc-Zahlung per QR-Code oder Zahlungsterminal ist verpflichtend.
- Der Preis muss vor Beginn der Ladesitzung klar angezeigt werden.
Für öffentliche Ladepunkte ab 50 kW:
- Es muss ein Kartenleser (Zahlungsterminal) für Ad-hoc-Zahlung vorhanden sein.
- In bestimmten Szenarien kann die Nachrüstung bestehender Infrastruktur erforderlich sein.
Ad-hoc-Zahlungen
Nutzer müssen mit Kredit-/Debitkarte zahlen können, ohne Vertrag oder App-Abonnement beim CPO.
3. Preistransparenz
AFIR verlangt, dass Preise:
- Angemessen, transparent und diskriminierungsfrei sind.
- Am Ladepunkt oder über mobile Endgeräte klar angezeigt werden.
- Nach Komponenten aufgeschlüsselt sind (z. B. Preis pro kWh, Preis pro Minute, Sitzungsgebühr).
4. Smart Charging & ISO 15118
AFIR legt starken Fokus auf intelligentes Laden.
Entscheidend ist, dass öffentlich zugängliche Ladepunkte smartes Laden unterstützen müssen.
Dies passt direkt zur Einführung von ISO-15118-Standards:
- ISO 15118-2 und ISO 15118-20 sind die anerkannten Standards für sicheres, intelligentes Laden.
- Plug & Charge (PnC) ist ein zentrales Feature dieser Standards und verbessert den Nutzerkomfort deutlich.
"Öffentlich zugängliche Ladepunkte, die ab dem 13. April 2024 in Betrieb genommen werden, müssen zu intelligentem Laden fähig sein."
5. Datenzugänglichkeit
Betreiber müssen statische und dynamische Daten über nationale Zugangspunkte (NAPs) bereitstellen.
Statische Daten
Standort, Steckertyp, Leistungsabgabe.
Dynamische Daten
Betriebsstatus (verfügbar, belegt, außer Betrieb), Ad-hoc-Preis.
Diese Daten müssen für Nutzer kostenlos zugänglich sein.
6. Operative Auswirkungen
Die Konformität erfordert Hard- und Software-Updates.
- Hardware: Installation von Zahlungsterminals und Sicherstellung intelligenter Messfunktionen.
- Software: Backend-Updates zur Unterstützung von Ad-hoc-Zahlung, dynamischer Preisanzeige und OCPI/OCPP-Protokollen für Datenaustausch.
7. Umsetzungszeitplan
Die Verordnung trat 2024 in Kraft.
- 13. April 2024: Neue Ladepunkte müssen Ad-hoc-Zahlung und Smart-Charging-Regeln erfüllen.
- 1. Januar 2027: Erweiterte Anforderungen für bestehende Schnellladeinfrastruktur.
8. Fazit
AFIR treibt die Branche in Richtung eines stärker standardisierten und nutzerzentrierten Modells. Für CPOs ist frühe Konformität nicht nur eine rechtliche Notwendigkeit, sondern ein Wettbewerbsvorteil in einem schnell reifenden Markt.
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